MAREKE, nicht Mareike - Ein Richter wollte unabhängig sein - aber die CDU ...
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07/17/2004, 16:51:08

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«Andreas Müller wollte das Cannabisverbot überprüfen lassen. Die

Brandenburger CDU sah gleich mal rot

Unabhängig, das verlangt das Grundgesetz, soll ein Richter sein. Andreas

Müller, Amtsrichter in Bernau, versteht das durchaus als Auftrag. 2002

setzte er ein Verfahren aus, in dem ein junger Mann wegen Besitzes von drei

Gramm Haschisch belangt werden sollte, und legte es dem

Bundesverfassungsgericht vor. Das Cannabisverbot kam ihm unverhältnismäßig

vor. Karlsruhe ließ sich Zeit, Müller wurde ungeduldig; er begann die

Verfassungsmäßigkeit des Cannabisverbots in einem weiteren Verfahren zu

überprüfen und lud dazu mehrere Gutachter ein. Das hat sich zu einer kleinen

brandenburgischen Affäre ausgewachsen, denn bald ist Wahlkampf.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Sven Petke forderte also, dass Müller seines

Amtes enthoben werden soll. "Er verhindert nun schon zum wiederholten Male

die Verfolgung schlimmer Drogendelikte", sagte Petke. Das erinnere an

Rechtsbeugung und sei eine Verschwendung von Steuermitteln. Die

brandenburgische Justizministerin Barbara Richstein, ebenfalls CDU, sagte

nichts. Das veranlasste den Brandenburgischen Richterbund wiederum zu harter

Kritik: Richstein hätte Müller schützen und Strafantrag wegen übler Nachrede

stellen müssen.

Müller zu schützen fällt der Justizministerin aber anscheinend nicht leicht.

Müller ist ein ungewöhnlicher und ein linker Richter. Wenn Müllers Maßstab

sich durchsetzt und jedes Verfahren, in dem der Staat "mit Kanonen auf

Spatzen schießt", eine besondere Prüfung nach sich zöge, müsste die Justiz

viele Verfahren aussetzen. Dass Müller das Gesetz, das den Besitz von

weichen wie harten Drogen bestraft, nur gut geprüft anwenden möchte, ist

wiederum nicht nur eine juristische Entscheidung.

Müllers Vater war Alkoholiker. Nach einem Entzug wollte der Vater in einer

Dorfkneipe eine Cola trinken. "Du bist kein Mann", habe ein Kneipentrinker

zum Vater gesagt, berichtet Müller. Der Vater trank ein Alster. Sechs Monate

später war er tot. Müllers Bruder dagegen flog wegen Cannabis-Konsums von

der Schule und saß wegen Handels mit Cannabis im Gefängnis. Nach der

Entlassung wurde er heroinabhängig. "Ich weiß, wie Alkoholiker, wie Junkies

und wie Kiffköpfe funktionieren", sagt Müller. "Wenn ich das ins Verhältnis

setze, ist mir ein kiffender Vater allemal lieber als ein alkoholabhängiger,

der prügelt."

Das Verfassungsgericht hat sich letzte Woche gegen Müller entschieden. Ein

Richter habe nicht das Recht zur allgemeinen Aufsicht über Gesetze. Müller

hat das akzeptiert und verurteilt Haschkonsumenten wieder umstandslos. Wo

ihm niemand reinreden kann, wird er dagegen weiter eigene Wege gehen und

Neonazis lieber auf Socken als in Springerstiefeln in den Gerichtssaal

lassen. Dass Petke und Richstein gegen den Richter agierten, ist dagegen

schlichter Wahlkampf. Die beiden haben damit gezeigt, dass gedankliche

Unabhängigkeit auch Politiker zieren kann. Und dass es selten zu viel

Unabhängigkeit gibt, aber oft zu wenig." MAREKE ADEN»

Related link: Bericht in der taz vom 17.7.2004







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